“I’m not teaching you how to move your feet; I’m teaching you how to move your mind,” (O-Sensei)
„Der Mensch ist ein Wesen der Bewegung. Wenn er sich nicht im Guten bewegt, bewegt er sich notwendiger- weise im Nicht-Guten“ (Shissai Chozan: Tengu-Geijutsu-Ron 18. Jhd.)
Q.: „But Yamada Sensei, what would you do if you were attacked by six men on horseback with machine guns?” Q.: „Wie kann ich ohne Aite meine Sinne trainieren?“, Q.: „Was kommt danach?“, Q.: „Hä?“…
„Who am I“ (Alice)
Liebe Aikidoka,
wieder liegt ein bewegtes Aikido-Jahr hinter uns, …die kalte Jahreszeit scheint die gefühlte Geschwindigkeit der Zeit herunter zu bremsen, durch das züngelnde Flackern einer Kerze in einem Windspiel, das meine bessere Hälfte zum Jahresausklang wieder neben meinem Schreibtisch aufgestellt hat, breitet sich eine wohlige Ruhe aus. Gerade der richtige Zeitpunkt um über Erlebtes zu reflektieren, Klarheit zu erlangen und damit einen guten Ausgangspunkt für das kommende Aikido-Jahr zu haben… so mache ich mir zum Jahresausklang auch noch ein paar Gedanken zum Thema Fragen und Antworten, oder das Mondō als Keiko… kommt gerne ein Stück mit, wenn Ihr wollt…
Blickt man auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, scheint die Welt zunehmend konfliktbeladen und die mit dem Informationsüberfluss der sozialen Medien einhergehende, subjektive Irritation macht sich auch beim Aikido-Studium bemerkbar. Manchmal erwecken Fragen die beim Training auftauchen den Eindruck, als sei der Blick auf den Weg auch durch solche Einflüsse verstellt… dennoch, keine der Fragen ist unberechtigt, keine geht verloren, denn wir werden in unserer Arbeit immer wieder darauf zurückkommen und ich hoffe Ihr seid mir nicht gram, auch wenn die Antworten manchmal zurückweisend oder widersprüchlich erscheinen… ist nicht jede gute Antwort im Budo eine Spiegelung der eigenen Position (Jiko Ninshiki)?
Den Hintergrund für paradox wirkende Erwiderungen im Budo kann man auch wie Antonio Machado beleuchten der meint, „Wanderer, es gibt keinen Weg, der Weg entsteht im Gehen“. Erhellende Antworten auf unser fragendes Üben ergeben sich öfter durch das Studium korrekter Bewegungen im Keiko als durch einen rein intellektuellen Prozess. D.h. im Budo lösen sich Fragen über unser Üben auf und sie müssen sich auch im Mondō über unser „Herz“ (Ishin Denshin) bewegen um uns zu transformieren. Oder, wie Tamura N. Sensei sagt: „Indem man sein Herz befreit, lässt man freie Bewegungen entstehen. Indem man seinen Körper frei bewegt, erschafft man ein Herz, das durch nichts festgehalten werden kann“.
Wie verhält sich nun die Bewegung des Fragens zur Bewegung des Körpers? Im Budo gilt es, die gewohnte Struktur des Fragens zu verlassen, denn wirksame Antworten finden sich nur in der Körper-Geist Einheit bzw. im Shin-Gi-Tai (Herz/Geist-Technik-Körper) weswegen wir ja unser Keiko in Michaels schönem Ji An Kan Dojo unter dieses Motto gestellt hatten. Üben wir fleißig und aufmerksam, beantwortet die Resonanz des Aite auf unsere geistigen und körperlichen Bewegungen, bereits viele unserer Fragen. Schließlich schleift so ein Training unser überbordendes Ego ab und gibt unserem Selbst die Sicherheit um Kokkishin, d.h. die nötige Ruhe und Klarheit des Geistes zu erreichen um herausfordernden Situationen adäquat zu sein.
Auch das herkömmliche Verständnis der Unterweisung ist abzulegen. Während wir es gewohnt sind, dass wir vom Lehrer unterrichtet werden, weil es sein Job ist, gilt für Budo: „Es geht darum, diese Sichtweise umzukehren. Vielmehr kann die Vermittlung nur dann stattfinden, wenn Sie selbst den aufrichtigen Wunsch danach haben. Ohne einen tiefen Wunsch Ihrerseits kann nichts vermittelt werden. Selbst ein großer Meister kann ohne diesen Wunsch nichts weitergeben. Es ist immer derjenige, der darum bittet, der auf natürliche Weise empfangen kann.“ (Tamura N. Sensei) …Und dann: Beobachten, Üben, Fragen, Aufnehmen, Erforschen, Vergessen, Beobachten, Üben, Fragen…
Nun komme ich auch schon wieder zum Schluss meiner Gedanken die, wenn es Euch gefällt, als Ausgangspunkte für viele neue Fragen im kommenden Aikido-Jahr dienen können. Deswegen sage ich an dieser Stelle Domo Arigato Gozaimashita zu unserem Präsidenten Markus 心l und Euch allen, die sich für die Aikido-Gemeinschaft engagieren, oder es zumindest noch nicht leid sind, mein forderndes Keiko zu ertragen und ermuntere alle, die in diesem Sinne mit uns üben möchten, für ein interessantes und erbauliches Training im neuen Jahr zu uns auf die Tatami zu kommen!
Ein gutes Jahr 2026 und auf bald
Frank Koren
